Bla Bla Bla…

Eines muss man der Arianespace lassen: Sie dürfte, vielleicht mit Ausnahme der staatlichen chinesischen Medien, die mit Abstand aufwendigste Studiotechnik aller Startanbieter zur Verfügung haben. Hosts und Co-Hosts, viele Gäste, zwei verschiedene Studios. Alles stylisch und schick und vom Feinsten.

Dieser Twitter-Post stammt von Gregory Gavroy, der für die Startübertragung verantwortlich ist. Er preist hier seine Leistung und die seines Teams. Raumfahrtbegeisterte auf der ganzen Welt waren jedoch vollständig anderer Meinung.
„Dappa“, wie einige hundert andere auch, sah das durchaus anders
„CLEM“ schließt sich „Dappa“ an
„DOMO“ versucht es mit Ironie

Aber, liebe Arianespace. Es ist euch zwar schon ungefähr tausendmal gesagt worden, aber ein tausenderstes Mal kann nicht schaden, wenngleich es offenbar komplett sinnlos ist: Viel, viel weniger wäre viel, viel mehr.

In eurem Livestream wird geredet und geredet und geredet. Hab ihr euch schon mal überlegt, warum die Zahl der Zuseher nie groß über die 6K hinauskam? Habt ihr euch schon mal die Zugriffszahlen bei der Konkurrenz angesehen?

Der Eindruck: Die Hauptprotagonisten sind schicke Moderatorinnen und Moderatoren, die sich gegenseitig immens platte Fragen stellen. Es sind nervtötende Manager die seichte, von den PR-Abteilungen glattgebügelte und völlig belanglose Statements von sich geben und es sind die eingespielten Werbefilmchen mit ihrer peitschenden Zombie-Industriemusik.  

„David Barer“ fand es „dreadful“
„Oops“ denkt das auch

Haupt-Protagonistin dieser Show sollte aber die Rakete sein. Ihr Flug ins All und ihre Performance. Nichts sonst. Ihr braucht nur einfach auf die Rakete drauf halten, die Telemetrie eingeblendet lassen, unterstützt von einem zurückgenommenen und informierten Kommentar, der kurz, sachlich und sinnvoll die nächsten Meilensteine im Startablauf schildert. That’s it.

So aber wird ein hochspannendes, aufregendes Ereignis zu Brei zerfasert. Das war keine Startübertragung. Das war eine Talkshow. Eine Talkshow, bei der es ganz, ganz nebenbei so ein bisschen über dieses Dingens da, diese Rakete ging.

Und noch eine Sache, die ihr wahrscheinlich noch nicht bemerkt habt: Unabdingbar notwendig sind heutzutage ein paar Kameras an Bord, die den Ablauf der Dinge zeigen. Dem Kunden am Boden, die ihre teuren Satelliten an Bord dieser Rakete haben und vor allem den interessierten Zusehern, von denen ihr vielleicht möchtet, dass sie in Sachen Raumfahrt als Multiplikatoren auftreten.

Was ihr auch noch nicht bemerkt habt: Diese On-Board-Kameras sind seit ungefähr zehn Jahren Industriestandard.

„Nick Truong“ bekundet sein Entsetzen
Um sicher zu gehen, dass ich hier nicht möglicherweise einem interkulturellem Missverständnis aufsitze hier auch eine französische Stimme.
„Marc“ ist ziemlich grimmig, über das, was er da gesehen hat.
Vorsichtshalber nochmal eine weitere französische Stimme. Es gab viele davon und kaum eine war gnädiger.
„Tyler Odell“ hat es auch nicht gefallen
„Cadar Felician“ auch nicht
Lassen wir es damit mit den Beispielen gut sein. Es waren etliche hundert. Wenn man sich dabei vor Augen hält, dass sich diesen Stream ohnehin nicht sonderlich viele Menschen angesehen haben (viele dürften sich einigen Minuten des Unglaubens wieder ausgeklinkt haben), gibt das, denke ich, einen guten Überblick.

Liebe Arianespace: Schaut euch doch einfach mal so eine Übertragung bei der Konkurrenz an. Irgendwo. Völlig egal bei wem. Jeder macht es besser. Roskosmos, die Chinesen, Rocketlab, die ULA, Astra, Northrop Grumman. SpaceX sowieso. Jeder.

Aber wahrscheinlich werdet ihr das nicht tun, denn von dem, was wir hier sehen wird deutlich: Ihr könnt zwar – mit offensichtlich immensem Aufwand – so einen Event halbwegs mittelmäßig organisieren (reden wir nicht von den Bildausfällen, die gehören bei Arianespace schon traditionell dazu). Aber für das Thema Raumfahrt interessiert sich bei euch offensichtlich keiner so besonders. Anders ist die Aufbereitung dieser seltsamen „Show“ nicht zu erklären.

Ein Kommentar zu „Bla Bla Bla…

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