Der Orbit ist für alle da

Die Ankündigung des ersten bemannten Solo-Fluges eines SpaceX Crew Dragon war ein echter Knaller, der selbst in den Mainstream-Medien für Schlagzeilen sorgte. SpaceX plant den ersten „rein zivilen“ Orbitalflug in der Geschichte der Raumfahrt. In einer Mission, die der Wohltätigkeit gewidmet ist, will das Unternehmen schon in etwa zehn Monaten vier Menschen in eine Erdumlaufbahn senden. Bei dreien von ihnen handelt es sich um Leute, die überhaupt nichts mit Raumfahrt zu tun haben. Und zwei dieser drei wissen derzeit noch nicht einmal, dass sie diesen Flug unternehmen werden.

Jared Isaacman (Quelle: Business Insider)

Kommandant (wenn man diesen Begriff hier verwenden will) des Unternehmens ist der 37 Jahre alte Jared Isaacman. Er ist Gründer und CEO des Zahlungsabwicklers Shift4Payments und hat den ganzen Flug bei SpaceX gekauft. Isaacman ist nicht nur Milliardär, und bekannt für seine Raumfahrt-Affinität, sondern auch ein versierter Pilot. Er verfügt über Fluglizenzen für mehrere Militärjet-Typen und hält den Weltrekord für die schnellste Umfliegung der Erde in einem serienmäßigen Business-Jet.

Seine geplante Orbitalmission trägt die Bezeichnung „Inspiration4“ und soll nicht nur eine Raumfahrterstleistung sondern auch eine der größten Wohltätigkeitsveranstaltungen der Geschichte werden.

Zwei Plätze an Bord der Crew Dragon (das wird übrigens die „Resiliance“ sein, dieselbe Kapsel, die momentan an der ISS angedockt ist) sind bereits vergeben. Sein eigener und der einer noch nicht näher spezifizierten Angestellten des St. Jude-Hospitals. Die St. Jude Kinderklinik ist nicht nur ein Krankenhaus, sondern wahrscheinlich auch die weltweit führende Forschungseinrichtung für Krebserkankungen bei Kinder. Das Institut ist nicht kommerziell ausgerichtet. Kinder, deren Eltern die Behandlung nicht bezahlen können, werden dort kostenlos behandelt. Dementsprechend groß ist der Spendenbedarf für diese Einrichtung.

Isaacman spendete dem St. Jude’s zunächst 100 Millionen Dollar. Weitere 200 Millionen will er dadurch aufbringen, dass er eine Spendengala ins Leben ruft. Bei Spenden ab zehn Dollar kann man sich an einer Lotterie beteiligen, die einen der beiden noch offenen Plätze an Bord der Kapsel als Hauptpreis verlost. Der vierte Platz ist einem Kunden seines Bezahl-Portals vorbehalten.

Zu dieser Mission wurde eine eigene Internet-Seite geschaltet: https://www.inspiration4.com/ Es macht aber keinen Sinn, sich als Europäer für den Einsatz zu bewerben. Aus rechtlichen Gründen (ITAR-Regulations) ist der Flug ausschließlich US-Staatsbürgern vorbehalten.

Die ausgewählten Besatzungsmitglieder werden ein kurzes, aber intensives Training bei SpaceX erhalten. Isaacman selbst wird ein weitergehendes Training durchführen. Der 2-5tägige Flug wird fast vollständig automatisch ablaufen, und vom SpaceX-Kontrollzentrum in Hawthorne aus gesteuert. Bei diesem Solo-Flug sind keine speziellen Fähigkeiten professioneller Astronauten erforderlich (wie beispielsweise das manuelle Andocken an der ISS oder die Betreuung von Forschungsinstrumenten).

Zusammen mit „Inspiration4“ hat SpaceX damit jetzt bereits vier „Touristen-Missionen“ verkauft. Zwei Flüge wurden über Axiom-Space mit der NASA vereinbart. Dabei werden jeweils drei „Spaceflight-Participants“ unter der Leitung eines professionellen Astronauten eine zehntägige Visite auf der ISS unternehmen. Der erste dieser Flüge (mit der Bezeichnung Ax-1) soll im ersten Quartal des kommenden Jahres stattfinden.

Dabei werden unter der Leitung des viermaligen Raumfliegers (mit 260 Tagen Gesamtaufenthaltsdauer im Weltraum) Michael Lopez-Alegria der US-Immobilien- und Technology-Tycoon Larry Connor, der israelische Geschäftsmann und frühere Kampfpilot Eytan Stibbe und der kanadische Investor Mark Pathy etwa zehn Tage auf der ISS verbringen. Lopez-Alegria hatte die NASA 2012 verlassen und ist nun Vizepräsident von Axiom Space, dem Organisator der Unternehmung. Larry Connor, ein versierter Kunstflugpilot mit Flugerfahrung auf 16 verschiedenen Flugzeugtypen, wird als Copilot agieren. Mit 71 Jahren wird Connor übrigens der zweitälteste Mensch sein, der je einen Raumflug unternommen hat.

Die Crew von AX-1 ((Quelle: Michael Sheetz))

Ursprünglich hatte es geheißen, dass unter anderem der Schauspieler Tom Cruise mit an Bord dieser Mission sein werde. Da sich sein gegenwärtiges Filmprojekt aber verzögert will er nun den nächsten darauf folgenden Axiom-Space Flug nehmen. Den wird die ehemaligen NASA-Astronautin Peggy Whitson leiten, die sogar über die doppelte Raumflugerfahrung wie Lopez-Alegria verfügt (sie war zweimal Kommandantin der ISS).

Die NASA will bis zu zwei zehntägige Besuche pro Jahr im internationalen Segment der ISS zulassen. Ab 2025 will Axiom Space eigene Module an der Raumstation ankoppeln. Ab dann ist eine größere Anzahl von „Touristenflügen“ zur ISS möglich. Jeder der ISS-Trips kostet pro Gast 55 Millionen Dollar. Dazu kommen noch eine ganze Reihe von Zusatzkosten, wie die „Übernachtung“ an Bord der ISS, die mit 35.000 Dollar pro Tag und Besucher zu Buche schlägt.

Yusaku Maezawa (Quelle: Michael Sheetz)

SpaceX hat auch bereits eine bemannte Mondmission mit dem Starship verkauft. Den wird der japanische Milliardär Yusaku Maezawa wahrnehmen und irgendwann in den nächsten Jahren auf einer zirkumlunaren Bahn den Mond umfliegen.

3 Kommentare zu „Der Orbit ist für alle da

  1. Wenn man die Regeln genau liest oder auf der Bewerbungs-Seite ganz nach unten scrollt, erfährt man im buchstäblich Kleingedruckten, dass eine Teilnahme an dem offenen Gewinnspiel auch komplett kostenlos möglich ist, ohne jede Spende: 100 virtuelle Lose im Topf gibt’s trotzdem. Das erlaubte Spenden-Verweigern widerspricht zwar krass dem ‚Generosity‘-Aspekt für diesen Sitz im Dragon, dürfte aber wohl aus rechtlichen Gründen für derartige Verlosungen vorgeschrieben sein. (Disclaimer: Ich übersah das wie die meisten zunächst auch, aber CollectSpace sah’s natürlich sofort …)

  2. Damit beginnt also die Kommerzialisierung des Weltraums ;-))
    Ich wäre sofort dabei, leider fehlt mir aber das nötige Kleingeld dazu.
    Freue mich aber für alle mit, die es sich leisten können.

  3. Herzlichen Dank für den Artikel.

    Elon Musk und Space X haben sich es verdient, die ersten bemannten USA-Raketen nach dem
    Shuttle-Abbruch in den Erdorbit zu bringen.

    Mit vielen Grüßen,
    Jonas Junghans

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